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Wussten Sie schon...? Mähwerkstechnik Teil 1

Mähtechnik im Überblick / Teil 1

Bei Beratungsgesprächen (speziell auch im Aussendienst) mit Kunden aus Kommunen oder dem Dienstleistungssektor, müssen wir immer wieder feststellen, dass zum Teil falsche Mähgeräte für die jeweilige Anwendung verwendet werden. Nicht selten werden Kunden falsch beraten und haben dann teure Mähtechnik zu Hause stehen, mit der sie nicht zufrieden sind, weil sie die geforderten Arbeiten damit nicht effektiv erledigen können. Dies nehmen wir nun einmal zum Anlass, um in unserer Rubrik "Wussten Sie schon...?" die verschiedenen Mäharten und Techniken ausführlich zu erklären. In fünf Teilen gehen wir auf die unterschiedlichen Mähgeräte ein und sagen Ihnen, wofür sie am besten geeignet sind:

Teil 1: Sichelmäher

Teil 2: Kreiselmäher

Teil 3: Schlegelmäher

Teil 4: Spindelmäher

Teil 5: Messerbalken

In den fünf Teilen werden die Geräte den verschiedenen Mäharten zugewiesen, denn man unterscheidet: Grasschnitt mit Gras-Aufnahme, Mulchen von gepflegten Rasenflächen und Mulchen von Hochgras. Die beiden Mulcharten werden häufig miteinander verwechselt oder vermischt. Dabei handelt es sich - trotz der gleichen Wortwahl - um völlig unterschiedliche Mäharten. Wir zeigen die Unterschiede auf und machen Sie fit für das Beratungsgespräch Damit sind Sie in der Lage, die für die jeweilige Anwendung beste Mähtechnik auszuwählen, ernten Anerkennung durch Ihr bestechendes Wissen und haben am Ende zufriedene Kunden!

Teil 1: Sichelmäher: 

Der geläufigste und bekannteste Mäher - außerhalb der Landwirtschaft - dürfte der Sichelmäher sein. Hier dreht sich ein Messer an einer senkrecht stehenden Welle, das am jeweiligen Ende eine Schneide ausgebildet hat und durch die Drehbewegung die Halme abschlägt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es auch ein paar wenige Ausnahmen gibt, bei denen kein feststehendes Messer rotiert, sondern eine Scheibe, auf der drehbare Messerklingen wie bei Kreiselmähwerken montiert sind. Die Funktionsweise entspricht aber zu 100% den Sichelmähern.

Wohlgemerkt: hier wird nicht geschnitten, denn zum Schneiden wird eine Gegenschneide, wie bei einer Schere, benötigt! Das Mähgut wird also nur durch seine Massenträgheit davon abgehalten, vom Messer weggedrückt zu werden und der Halm reißt ab. Durch eine entsprechend hohe Drehzahl wird somit ein gleichmäßiges "Schnittbild" (eigentlich Schlagbild) erzeugt. Solange die Schneiden noch einigermaßen scharf sind, ist auch ein relativ rasenschonender Einsatz möglich und die Pflanzen verkraften diese gewaltsame "Rasur" ziemlich gut. Nach etwa einer halben Stunde Einsatz ist die scharfe Kante aber auch schon Vergangenheit. Spätestens nach 8 Stunden Mähbetrieb gehört so ein Messer nachgeschliffen und am besten auch neu gewuchtet, um die Lagerung der Wellen zu schonen. Bei stumpfen Messern werden die Halme so stark geschädigt, dass sie durch die zerfaserten Abreißkanten zum Austrocknen neigen, das Gras "verbrennt"! Bekannt aus jedem handgeführten Rasenmäher wird diese Technik natürlich auch gerne auf Aufsitzmähern oder Kompakttraktoren angewendet, da der Aufbau relativ einfach ist und somit kostengünstig gestaltet werden kann. Dadurch hat die Technik ihre absolute Berechtigung, aber auch konstruktive Nachteile. Je breiter hierbei die Schnittbreite sein soll, desto mehr Messer müssen zum Einsatz gebracht werden. Bei Mähbreiten bis ca. 1,20m werden meistens zwei Messer eingesetzt, darüber sind es drei bis fünf Messer. Bei Aufsitzmähern bis 1,20m Schnittbreite wird noch ein Auswurf zum Heck hin ausreichen, um das Mähgut aufnehmen zu können. Diese Mähwerke nutzen dazu zwei gegenläufige, sich überschneidende, zwangsgesteuerte Messer, die das Schnittgut zur Mitte nach hinten ableiten und auswerfen.

Ab drei Messern wird zum Sammeln des Materials hauptsächlich nur noch abgesaugt, wofür zusätzliche Materialaufnahmen mit Gebläse nötig sind. Im Mähdeck muss also ein Luftstrom erzeugt werden, der dafür sorgt, dass das Mähgut nach hinten, zur Seite, oder in einigen Sonderfällen nach oben abgeführt werden kann und man kann sich vorstellen, dass bei einem Auswurf zur Seite, bei entsprechender Menge an Schnittgut, Sichelmäher durchaus an ihre Grenzen kommen können. Das Mähgut muss schließlich über mehrere Messer transportiert werden und wird dabei im Volumen stetig summiert, da jeweils das vom Messer selbst geschnittene Gras und das von den benachbarten Messern zuvor erzeugte Material weitergeleitet werden muss, bis es aus der Mähwerksschüssel austreten kann. Bei einer Bauhöhe der Mähwerksschüssel von 8-17 cm kann man sich vorstellen, dass schon rein mengenmäßig der saubere Schnitt von einem halben Meter hohen Gras nicht durchführbar ist.

Trotzdem wird von vielen Bauhofleitern oder Dienstleistern gerade dies bei Vorführungen immer wieder gefordert. Aber hier ist der Sichelmäher eindeutig das falsche Arbeitsgerät. Ein unsauberes Schnittbild mit stehengebliebenen Halmen und liegengebliebenem Mähgut ist dann die Folge, was aber keine Aussage über die Qualität eines Mähgerätes darstellt. Sobald ein Grasaufnahmegerät zum Verstopfen neigt, wird erst einmal der unzureichenden Technik die Schuld gegeben, die aber nur vernünftig arbeiten kann, wenn ein konstanter Luftstrom aufrecht erhalten wird und dieser Luftstrom ist ein wesentlicher Bestandteil zum Funktionieren eines Sichelmähwerkes. Hohes Gras in großer Menge wird vom Mähgehäuse niedergedrückt, bevor es in das Mähgehäuse gelangt. Die Messer müssen somit große Mengen niedergedrücktes Gras schneiden, das sich nicht aufrichten kann, weil sich zum Zeitpunkt des Schneidvorganges noch über die Hälfte des Grashalms - durch das Mähgehäuse zum Boden gepresst - außerhalb des Mähwerks befindet. Zusätzlich wird ein Lufteintritt in das Mähwerk fast vollständig verhindert, da das Mähwerk durch das Gras fast luftdicht verschlossen wird. Die Folgen sind eine extrem schlechte Schnittqualität, da die Messer niedergedrückte Grashalme schräg abschneiden. In der Folge reißt auch der Luftstrom, der das Schnittgut regulär transportiert, ab und die großen Mengen Gras können nur noch mechanisch durch die Messer transportiert werden, was zwangsläufig zum Verstopfen des Mähwerks führt, da auch die besten Grasaufnahmesysteme versagen, wenn keine Luft angesaugt werden kann. An der Vorderseite geöffnete Saugstutzen sollen verhindern, dass der Luftstrom zum Grasaufnahmegerät abreißt. Wenn jedoch die Grasmengen hier deutlich zu groß sind, bringt auch diese verblüffend einfache, aber sonst sehr gut funktionierende Option nichts mehr. Dasselbe gilt übrigens auch für die Abluft. Wenn der Luftauslass des Grasaufnahmebehälters durch feinen Grasschnitt im Auslassgitter verschlossen ist und keine, oder nur geringe Mengen, an Luft entweichen können, reißt auch hier der Luftstrom ab und das kompl. System verstopft. Aus diesem Grund sollte man immer darauf achten, dass die Entlüftung von Grasaufnahmesystemen beim Mähen bzw. beim Ausleeren regelmäßig gereinigt wird. Um einen einwandfreien Mähbetrieb zu gewährleisten, gilt als Faustregel daher für Sichelmäher: die Grashöhe sollte nicht höher sein, als die Höhe des Mähgehäuses. Der konstruktive Hauptnachteil von Sichelmähern, ist die Empfindlichkeit der starren Messer beim Auftreffen auf stehende Hindernisse. Was bei freilaufenden Messern mit Keilriemenantrieb meist noch mit einer beschädigten Schneide endet, kann bei den zwangsgeführten Mähwerksmessern zum Ausfall des Gerätes führen, wenn beide Messer aufeinander schlagen. Sichelmäher scheiden daher für den Einsatz auf Grünflächen, auf denen sich unerwartet Fremdkörper, wie größere Steine, Baumstümpfe oder ähnliches befinden können - also z.B. an Straßenrandstreifen oder Streuobstwiesen - aus. Diese Tatsache wird oft ignoriert und die daraus resultierenden Folgekosten durch vermeidbare Reparaturen werden nicht selten verschwiegen. Soviel zum Grasschnitt mit Grasaufnahme. Sichelmähwerke können aber auch sehr gut als "Mulchmähwerke zur Rasenpflege" eingesetzt werden. Voraussetzung ist hier erstens der Einsatz von entsprechenden Messern/Einbauringen und zweitens das Einhalten der Zwei-Drittel-Regel, die besagt, dass ein Drittel vom Gras abgemäht wird und in den verbliebenen zwei Dritteln des Rasens als Naturdünger versteckt werden kann (z.B. 6cm Graslänge: Schnitt von 2 cm und Einbringen in die stehengebliebenen 4 cm). Die speziellen Mulchmesser für Sichelmäher haben meistens anders gebogene Klingen (für größere Verwirbelung) als die reinen Fangmesser, oder es werden noch zusätzliche Messer über Kreuz auf die Messerflügel geschraubt. Beides soll bewirken, dass der Grasschnitt länger im Mähwerk verbleibt und damit feiner zerhackt wird. Man kann davon ausgehen, dass normale Messer jeden Halm ca. vier mal zerteilen. Bei Mulchmessern und eingesetzten Einbauringen verdoppelt sich dieser Wert! Aber auch mit einem Seitenauswurf lassen sich gute Mulchergebnisse erzielen, vorausgesetzt, die Materialmenge ist nicht zu hoch (Zwei-Drittel-Regel) und das Mähgut wird auf die bereits abgemähte Seite (!) geworfen. Einflüsse wie Feuchtigkeit, Temperatur und größere oder kleinere Wachstumsraten beeinflussen das Mähergebnis mit Sichelmähern selbstverständlich auch entscheidend, doch solang innerhalb der verträglichen Parameter gearbeitet wird, zeigen diese Mäher absolut brauchbare Ergebnisse und stehen den anderen Techniken in nichts nach! Sie sind die idealen Arbeitsgeräte für gepflegte Rasenflächen, wie Sportplätze und Parks - natürlich unter der Voraussetzung, es wird in der Wachstumsperiode spätestens alle 2 Wochen (Mulchen 1-2x pro Wochen!) mit scharfen Messern gemäht. Zu entscheiden wäre letztendlich auch noch die Anbauposition. Bei den Kompakttraktoren kann sowohl der weit verbreitete Zwischenachseinbau, als auch der Front- und Heckanbau realisiert werden. Der Frontanbau hat natürlich zum Vorteil, dass die zu mähende Spur nicht vorher von den Rädern überfahren wird und die Halme nicht durch den Luftstrom erst aufgestellt werden müssen. Rand- und Gebüschbereiche lassen sich durch das vorgelagerte Mähwerk leichter ausmähen. Nicht zuletzt sind frontangebaute Mähwerke sehr wartungsfreundlich, da sie entweder schnell an- und abgebaut oder sogar für den Messerwechsel hochklappbar konstruiert sind. Allerdings sind natürlich Frontanbauten, wie Frontkraftheber und Frontzapfwelle nötig - die Maschine wird um den Mähwerksanbau länger und entsprechend in der Anschaffung teurer, was sich relativiert, wenn der Frontanbau z.B. zum Betrieb einer Kehrmaschine sowieso vorhanden ist. Zwischenachsmähwerke bieten eine deutlich bessere Wendigkeit des ganzen Gespanns und nutzen auch ohne weitere Anbauten die Zwischenachszapfwellen der Traktoren. Sie sind aber bei den anfallenden Wartungsarbeiten ein wenig im Nachteil, da zwischen den Achsen gearbeitet werden muss. In der Natur der Sache liegt es dann auch, dass bei diesen Mähwerken die Wartung oftmals vernachlässigt wird, was sich wiederum in schlechterer Mähleistung oder Schnittqualität ausdrückt. Die Nähe zu den Grasaufnahmegeräten bewirkt andererseits aber auch eine geringere Neigung zur Verstopfung der Saugleitung. Eine wenig beachtete Möglichkeit ist der Heckanbau von Sichelmähern an Kompakttraktoren. Wegen der wegfallenden Grasaufnahmemöglichkeit wird hier ausschließlich gemulcht. Diese Anbauposition vereint jedoch die Vorteile des schnellen An- und Abbaus, der guten Zugänglichkeit für die Wartung und das Nutzen der, meist serienmäßig vorhandenen, Dreipunktaufhängung mit Antrieb über die Heckzapfwelle. Als Highlight wären hier noch die neue Generation von Sichelmähern zu nennen, die in der Breite verstellbar sind und es somit ermöglichen, unterschiedliche Mähbreiten - wie bei Solarparks oder Obstplantagen - in einem Zug abzuarbeiten.

Sie sehen also schon jetzt: die richtige Kombination von Traktor, Mähwerk und Materialaufnahme kann nur im intensiven Beratungsgespräch mit dem Kunden herausgefunden werden. Diese Arbeit wird sich aber lohnen, denn nur daraus resultieren zufriedene Kunden, die Sie als Fachmann schätzen und gerne weiter empfehlen. Lesen Sie im zweiten Teil unseres kleinen Tutorials von den nächsten Verwandten der Sichelmäher: die Kreiselmähwerke!